Der Ton macht die Musik
Michael Schmidt, 23.11.2008
Außergewöhnliche Umstände bedürfen außergewöhnlicher Maßnahmen. So auch im Fußballkreis Sömmerda. Angesichts der zunehmenden Konfrontation zwischen Schiedsrichtern und den Protagonisten auf und neben dem Platz initiierte der Kreisfußballausschuss Sömmerda (KFAS) ein Treffen mit den in der Kreisliga aktiven Schiedsrichtern, Trainern und Verantwortlichen.
LANDKREIS. Was einige nicht für möglich gehalten hatten - der Versammlungsraum des Sportlerheimes in Schloßvippach war sehr gut gefüllt. Bis auf die des FC 03 Weißensee und des SV Concordia Riethnordhausen (Entschuldigungen lagen vor) waren alle Trainer oder/und ihre Stellvertreter vor Ort. Und auch die Zahl der Männer (und Damen) in Schwarz war eine sehr hohe. "Allein die große Resonanz auf unsere Einladung zeigt, dass sich alle Beteiligten der Bedeutung des Problemfeldes bewusst sind", freute sich der KFAS-Vorsitzende Jürgen List, der des Weiteren Aenne Kürschner vom Landessportbund (LSB), Zweitbundesliga-Schiedsrichter Stefan Weber und Landestrainer Hubert Steinmetz in der Runde begrüßen konnte. Hauptanliegen der Versammlung sollte sein, anscheinend verloren gegangenes Verständnis wieder aufzubauen mit dem Ziel, respektvoll miteinander umzugehen. Einführend schätzte List ein, dass bezüglich des Fußballs ebenso ein Rückgang des Niveaus zu verzeichnen ist wie auch im Schiedsrichterwesen. Ein Grund dafür sei, dass sich viele Jugendliche nicht mehr dem Leistungsgedanken stellen. "Dazu stimmt die Art, miteinander umzugehen, nachdenklich", bezog List die Erziehung als gesamtgesellschaftliches Problem mit ein. Dem stimmte Aenne Kürschner, Referentin für Gewaltprävention beim LSB, zu, begrüßte eine solche Diskussionsrunde und unterstrich, bei jedwedem Problem als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Ansonsten wolle sie sich einen Überblick verschaffen, wie sich die Situation im Kreis darstellt. Lutz Nimptsch unterstrich als Vorsitzender der Kreisschiedsrichterkommission, dass jeder Spielleiter auf dem Platz sein Bestes geben würde. Zu 90 Prozent sei das auch so. "Wir wissen natürlich um unsere Probleme, hauptsächlich mit den jungen Vertretern unserer Gilde", schob er nach. Aber solange sich nicht mehr erfahrene Fußballer nach Beendigung ihrer Laufbahn für die eines Schiedsrichters entscheiden, müsse man mit der augenblicklichen Situation leben. Dass es zu Grenzfällen und Konflikten komme, sei nicht ausgeschlossen. "Bei allen dazugehörigen Emotionen müssen aber Eskalationen verhindert werden!" Meinungsaustausch müsse dazu gehören, wobei jedoch der Ton die Musik machen sollte.
Anschließend wurde an videounterstützten Fallbeispielen, die von beiden Seiten bewertet werden mussten, aufgezeigt, wie schwer es manchmal ist, in Bruchteilen von Sekunden richtig zu entscheiden. Dabei wurde festgestellt, dass die minutiöse und millimetergenaue Aufarbeitung strittiger Szenen im Fernsehen der Sachlage wenig förderlich ist. Einhelliger Tenor, dass der Schiedsrichter nicht zum Sündenbock gemacht werden darf, war auch ein Ergebnis der sehr sachlichen Diskussion. Einigkeit herrschte unter den Trainern, dass man vor allem auf das direkte Umfeld - sprich Auswechselbank - einwirken muss, aber auch den Versuch starten sollte, Einfluss auf Vereinsmitglieder und Zuschauer zu nehmen, wobei Letzteres oft sehr schwer ist. Leider ist Fußball für viele die einzig erschwingliche Kulturveranstaltung, die dann auch dazu genutzt wird, den Frust des Alltags loszuwerden, hieß es dazu sinngemäß auf einer Videotafel des Fußballverbandes.
Insgesamt wurde im Verlauf der Versammlung deutlich, dass der Grundgedanke aller Beteiligten übereinstimmt: Es kann im Sinne der weiteren Entwicklung des Fußballsports nur ein Miteinander geben, kein Gegeneinander! Aenne Kürschner zeigte sich abschließend erfreut, wie offen sich alle den aktuellen Problemen stellten. "Ein derartiger Umgang ist der erste Schritt hin zur Normalisierung." Weitere Schritte werden in naher Zukunft folgen. So plant der KFAS-Vorstand beispielsweise eine ähnliche Zusammenkunft im Bereich der 1. Kreisklasse.
Quelle:TA, Lokalteil Sömmerda, 21.11.2008
