Geschmäckle am grünen Tisch
Michael Schmidt, 20.08.2011
Das Verbandsgericht des Thüringer Fußballverbandes kippte das Urteil des eigenen Sportgerichts und lässt nicht nur bei Landesklässler Gebesee Zweifel zurück.
Gebesee/Erfurt. Der Verlierer Thüringen Jena fühlt sich als Gewinner, der Sieger Gebesee als großer Verlierer: Das Verbandsgericht des Thüringer Fußballverbandes (TFV) hat in zweiter Instanz dem Einspruch der Jenaer nach dem 2:4 verlorenen Qualifikationsspiel im Landespokal wegen eines fehlenden Passbildes auf dem Spielerpass stattgegeben und die Einführung der elektronischen Spielererfassung für unsinnig erklärt. Ein Geschmäckle ist ohnehin dabei.
Uwe Backhaus sagt es nicht. Dass das Verbandsgericht unter dem zurzeit amtierenden Vorsitzenden Stefan Kummer den Jenaern nun Recht gegeben hat, muss für den Gebeseer Coach aber einer Farce gleichkommen. "Wozu gibt es den elektronischen Spielbericht?", fragt sich der in Sachen Spielordnung sehr gut auskennende Trainer. „Und ich bleibe dabei, ich habe immer noch alles richtig gemacht", sagt er und ärgert sich über das falsche Spiel der Ostthüringer.
Obgleich die vor der Partie bei der Passkontrolle darauf hinwiesen, dass das Passbild von Gebesees Neuzugang Thomas Petzold fehlt, zweifelten sie nicht dessen Spielberechtigung an. Trotz eines Vermerks auf dem Spielbericht auch im Nachgang nicht. Wohl aber einen Tag später, als sie über einen Einspruch beim Sportgericht den Umweg zum Weiterkommen im Pokal suchten. „Hätten sie vorm Spiel gesagt, wir spielen unter Protest, hätte ich reagieren müssen und es auch gemacht. Dann hätte er nicht gespielt", meint Backhaus rückblickend.
Er reagierte nicht. Einerseits mit dem Wissen, dass der aus Gera gekommene Akteur spielberechtigt ist (sonst wäre er nicht in der elektronischen Datenbank erfasst gewesen). Und andererseits im guten Glauben, dass die Partie auf dem Platz entschieden wird. Dass Backhaus nicht von der Möglichkeit Gebrauch machte, einen Austauschspieler statt Petzolds aufläufen zu lassen, legte-dem Trainer das Verbandsgericht zur Last und wertete das fehlende Passbild als "groben Mangel". Damit folgte es den in der Spielordnung verankerten Richtlinien und wertet Petzolds Einsatz als unberechtigten. Dass das Papier auf veraltetem Stand ist und mit der Einführung der elektronischen Spielerdatenbank der unberechtigter Einsatz eines Spielers ausgeschlossen ist, ließ das Verbandsgericht außen vor. Und ebenfalls, dass Jenas Verantwortliche die Identität von Thomas Petzold auf andere Weise hätten prüfen können.
Durchaus nahe liegt, dass der zuletzt für Wismut Gera spielende Gebeseer Zugang sogar bei Thüringen Jena bekannt ist. Die. Blau-Weißen vermuten es und beklagen, nicht' mal zur Verhandlung'eingeladen' und angehört worden zu sein. Dass mit Bernd Bock der Vorsitzende des Kreisfachausschusses Jena/Saale-Holzlandkereis mit am Tisch saß, ist aus ihrer Sicht wegen einer möglichen Parteilichkeit die Krönung - und es könnte zudem einen gravierenden Verfahrensfehler bedeuten.
Am Weiterkommen der Jenaer, die nun im Pokal am 24. August auf Eisenberg treffen, ändert er wohl kaum etwas.
Die Beharrlichkeit ihres Co-Trainers Peter Höfer am grünen Tisch, die von Jenaer Seite wie ein Sieg auf dem Rasen gefeiert wird fühlt sich nicht nur für die Gebeseer wie eine Ohrfeige an. Auch für Reiner Koch. Der Sondershäuser hatte im Einzelrichterentscheid den Einspruch der Jenaer als unbegründet zurückgewiesen.
Da die Spielberechtigung Petzolds infolge der Aufnahme in der Datenbank erteilt sei, sah er das fehlende Passbild als keinen gravierenden Mangel an. Er ließ sich dabei von Gerichtsentscheidungen in anderen Landesverbänden leiten. In der Partie etwa zwischen Borna und RB Leipzig II gab es einen ähnlichen Fall. Auf vier Pässen der Leipziger fehlten Passbilder. Das Sportgericht des Sächsischen Verbandes wertete den Makel durch die ordnungsgemäßen Spielberechtigungen als Ordnungswidrigkeit, die eine Geldsträfe nach sich zieht.
Kurioserweise hätte Gebesee laut Spielordnung lediglich eine solche zu fürchten gehabt, hätten sie alle Spielerpässe zu Hause vergessen. Umso dringender muss das Papier überarbeitet werden.
Etwas anderes ärgert Reiner Koch viel mehr. "Das Verwerfliche ist, dass man erst nichts sagt, spielt - und dann, wenn man verliert, Einspruch einlegt."
Steffen Ess
P.S.: Der Vorstand des FC Gebesee nimmt das Urteil des Verbandsgerichts an, obwohl die ganze Sache in ihrem Ablauf einen faden Beigeschmack trägt. Dem Artikel ist nichts weiter hinzuzufügen. Auch von unserer Seite wird der Thüringer Fußballverband dringend aufgefordert, die Spielordnung zu aktualisieren.
Quelle:TA Sömmerda, 20.8.2012
